Tubeless am Rennrad (reloaded) tests technik Tubeless Schlauchlos Reifen Laufräder Komponenten Dichtmilch
Tubeless am Rennrad (reloaded) tests technik Tubeless Schlauchlos Reifen Laufräder Komponenten Dichtmilch

Vor mehr als vier Jahren habe ich bereits über meine Erfahrungen mit Tubeless am Rennrad geschrieben. Diese waren nicht sehr positiv. Die Kommentare unter diesem Beitrag zeigten in den nächsten Monaten und Jahren, dass es hier sehr verschiedene Erfahrungen gibt. Von ebenfalls ernüchternden Fällen bis hin zu problemloser und völlig zufriedener Nutzung.

Mein damaliges Fazit war: “…setzt es für mich daher voraus, dass Tubeless Felge und Reifen gut zueinander passen und auch ohne Dichtmilch grundlegend dicht abschliessen.

In den letzten Jahren bin ich fast ausschliesslich Schlauchreifen (Tubular) gefahren und hatte dabei sehr wenig Probleme. Verglichen zu MEINEN Erfahrungen mit Tubeless war sogar die Montage mit Klebeband einfacher und schneller.

Nun hat sich aber vor kurzem ein neuer Laufradsatz, Campagnolo Boro WTO 33 an eins meiner Räder verirrt. Dieses ist für “normale” Drahtreifen Kombinationen also Reifen mit Schlauch als auch für Tubeless gebaut.

Da ich ja gerne experimentiere, musste nun ein neuer Versuch mit Tubeless am Rennrad her, von dem ich im Folgenden berichten werde. Der Text wird mit meinen Erfahrungen wachsen. Also seid gewarnt. Obwohl es positiv beginnt, kann es später doch noch zu einem bösen Ende mit Tubeless am Rennrad kommen…. wir werden sehen.

Die Wahl des Tubeless Reifens

Da ich mich in den letzten Jahren mit Schlauchreifen auseinandergesetzt hatte, musste ich mir zunächst einen Überblick im stark gewachsenen Angebot an Tubeless Reifen für das Rennrad verschaffen.

Das Internet als Erfahrungsdatenbank brachte einige positiv genannte Reifen hervor. Besonders hob sich in den von mir gelesenen Artikeln jedoch der Continental Grand Prix 5000 TL hervor. Er soll gut abdichten und wie von Conti gewohnt einen guten Grip besitzen. Dazu noch langlebig. Davon wurden also 2 Stück in 28er Breite bestellt. Im Vergleich zu Schlauchreifen war der Gesamtpreis sehr erfreulich. Denkt man jedoch 10 Jahre zurück, sind es schon üppige Preise die man heute für Reifen hinlegt.

Da ich keine frische Dichtmilch mehr besass habe ich auch hier geschaut, was sich bei anderen Fahrer*innen bewährt hat. Hier bin ich bei Finish Line Tubeless Tire Sealant Dichtmilch gelandet (Bei der ich inzwischen jedoch sehr negative Beurteilungen gesehen habe. Bin gespannt.). Was mir daran gefallen hat ist, dass sie mit Wasser abwaschbar sei und nicht eintrocknen soll und somit nicht gewechselt werden muss. Das mit dem Eintrocknen kannte ich noch von vor vier Jahren und es war nervend wenn man den Reifen neu aufziehen wollte. Etliches Gebrösel klebte im Inneren fest. Ob die Versprechungen von Finish Line stimmen werde ich sicher berichten können.

Zusätzlich bestellte ich noch eine Tube Schwalbe Easy Fit für die einfachere Montage. Spülmittel mit Wasser ginge da sicher auch. Ich war gespannt ob ich es brauche oder nicht.

Neuer Versuch: Montage Tubeless am Rennrad Laufrad

Mit dieser Ausstattung bewaffnet startete ich nun die Montage des Reifens am Campa Bora WTO Hinterrad.

Wie vermutet sitzt alles recht stramm, so dass es zumindest in meiner Kombination unmöglich war den Reifen auf der zweiten Seite nur per Hand aufzuziehen. Bei den Campa Laufrädern werden jedoch neben den Tubeless Ventilen und zwei Ventilschlüsseln auch zwei sehr gute, stabile Reifenheber mitgeliefert. Mit diesen ging es recht gut den Reifen drauf zu hebeln.

Um zu sehen, was geht oder was nicht geht, verzichtete ich zunächst auf die Montageflüssigkeit und begann mit einer normalen Standpumpe zu pumpen. Es machte nach ein paar kräftigen Hüben mehrmals “Plopp”, der Reifen füllte sich mit Luft und war dicht. Und zwar sehr dicht. Auf 6 Bar aufgepumpt. Und eine Druckprobe brachte auch nach einer Stunde keine fühlbare Veränderung. Ich war verblüfft. Das lag definitiv weit über meinen Erwartungen.

Damit ich nicht zu euphorisch zu werden drohte, zickte das Vorderrad dann jedoch einiges mehr.

Der Reifen liess sich hier ähnlich aufziehen. Stramm aber mit Montagehebeln gut machbar. Los gepumpt wie beim Hinterrad und es macht NICHT “Plopp”. Ich konnte pumpen wie ich wollte. Nichts. Als schwereres Geschütz dann den Kompressor genommen. Auch nichts.

OK. Dann halt doch mal mit dem Schwalbe Easy Fit. Siehe da. Nicht umsonst gekauft. Einmal auf jeder Seite mit dem in der Dose integrierten Schwamm rundherum aufgetragen. Wieder mit der Standpumpe gepumpt. “Plopp, Plopp, Plopp,…” Reifen drauf und aufgepumpt. OK. Das war dennoch ganz gut.

Nach kurzer Zeit verlor dieser Reifen jedoch merklich Luft. Nun also der nächste Schritt. Die recht zähflüssige Dichtmilch problemlos mit einer Spritze durchs Ventil rein in den Reifen. Drehen, schwenken, schütteln. Und wieder Pumpen. Keine Veränderung. Nach kurzer Zeit wurde er wieder platter. Die Euphorie schwand merklich.

Positiv bemerken muss ich jedoch die erste Abwisch-Erfahrung mit der Milch. Es ist fast unmöglich, dass beim Einfüllen ins Ventil nicht zumindest etwas Milch zurückläuft und auf dem Reifen oder auch Fussboden landet. Es lässt sich aber tatsächlich, wie beworben, völlig problemlos mit Wasser abwischen. Da schmiert und klebt nichts. Bei mir kam jedoch die Frage auf, wenn sie so wasserlöslich ist… löst sich dann auch eine gedichtete Stelle bei einer Regenfahrt im Wasser wieder auf? Die Zukunft wird es vielleicht zeigen.

Gewundert hat mich jedoch, dass die Milch den Reifen nicht abgedichtet hat. Das kannte ich von früherer Latexmilch schon, dass auch Stellen zwischen Felge und Reifen dicht wurden. Ob dies bei Löchern im Reifen anders ist wird die Zukunft sicher irgendwann zeigen.

Nach mehrmaligen Luft ablassen und wieder Pumpen kam aber plötzlich ein neues, zusätzliches “Plopp” von irgendeiner Stelle am Reifen. Und siehe da… Danach war auch dieser Reifen tatsächlich richtig dicht. Irgendeine Stelle hatte da wohl noch gefehlt, sich richtig in die Felgenflanke zu setzen.

Ich hatte mehrmals gelesen, dass die Reifen richtig dicht werden, wenn sie gefahren werden. Wegen Dauerregens habe ich dies unterlassen. Vielleicht hätte dies auch dazu geführt, dass der fehlende Millimeter sich von selber in den Felgenwulst gesetzt hätte. Wer weiss.

Den Hinterreifen habe ich zusätzlich auch noch mit der Milch gefüllt, für den hoffentlich funktionierenden Pannenschutz. Er war aber tatsächlich über mehrere Tage auch ohne Milch dicht. Der Vorderreifen steht nun auch bereits mehrere Tage aufgepumpt im Keller und bleibt prall gefüllt.

Ich bin tatsächlich positiv überrascht und hätte mit mehr Problemen gerechnet. Ob diese noch kommen wird sich zeigen, wenn sich die Reifen in der freien Wildbahn bewähren müssen. Bleiben sie dicht? Werden kleine Löcher abgedichtet? Hält die Luft auf Dauer ganz gut? Ich werde berichten…

Tubeless am Rennrad – Update 08.04.2021:

Die schönen Tage im März haben es möglich gemacht erste längere Touren mit der neuen Reifenkombination Bora WTO 33 und Conti GP 5000 Tubeless zu fahren.

Selbst nach längerer Standzeit von fast zwei Wochen waren vorne noch knapp über 3, hinten 4 Bar im Reifen. Ich fahre mit 6 Bar, so dass der Verlust im normalen Rahmen ist (OK… bei Autoreifen wäre ich hier nicht zufrieden).

Der Conti Reifen fährt sich gewohnt gut. Die Haftung fühlt sich gut an. Auch auf nassen Abschnitten rutscht bisher nichts. Der niedrige Luftdruck ist im Komfort deutlich spürbar.

Wie schon bei meinen ersten Versuchen mit Tubeless am Rennrad habe ich auch den Eindruck, dass der Tubeless Reifen sehr gut, gar besser rollt. Die Frage ist hier jedoch, wieviel davon Einbildung ist, da es so sein soll.

Im Gepäck habe ich das übliche Pannenmaterial; Einen Schlauch, ne Pumpe und Reifenheber. Gebraucht habe ich es bisher nicht.

Ich bin gespannt ob kleine Löcher sich selber abdichten. Dazu, ob und welche Sauerei die Pannenmilch bei einem größeren Loch mit Reparaturbedarf macht.

Ich werde berichten wenn es – hoffentlich nicht sobald – soweit ist.

Ein Kommentar

  1. Hallo Lutz,
    seit zwei Jahren fahre ich Conti 5000 TL auf DT Swiss Spline 1600. Ich bin 96 kg schwer, deshalb diese recht stabilen Felgen. Nach anfänglicher Flucherei beim Reifenwechsel flutscht es inzwischen genauso leicht wie früher bei Reifen mit Schlauch. Wechsel unter 10 min. ohne Hebel mit Milch und reichlich Easy Fit. Bei jedem dritten bis viertem Wechsel erneuere ich je nach Zustand auch das Felgenband. DT Swiss. Letztes Jahr bin ich knapp 14000 km gefahren und werde aus heutiger Sicht auf jeden Fall bei schlauchlos bleiben. Um das Felgenband aufzukleben befestige ich die Felge mit einem Gurt an einem Geländer, so dass man das Band mit starken Zug aufkleben kann. Reifenwechsel mit Felgenband 30 min. Werde dazu bei nächster Gelegenheit mal ein Video machen. Sportliche Grüße aus Herdecke, Kette rechts, bleib gesund.

    film- und fototeam herdecke
    heike und michael schilderoth
    gahlenfeldstraße 16
    58313 herdecke

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