Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin Alpen
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Die Idee

Wie kam ich auf die Idee? Wie eigentlich mit allem was ich mache. Ich gucke auf die Karte, sehe, dass es nicht so weit ist und denke:  “OK, das lässt sich machen” und schon schmiede ich den Plan wie es am einfachsten geht.
Ach ja, was wollte ich eigentlich machen? Genau. Mit dem Rennrad von Naters im schweizer Wallis nach Ligurien in Italien und zwar genau nach Chiavari. Probleme gab es eigentlich keine, als ich so auf die Karte schaute. Der Simplonpass am Anfang war mir bereits bestens bekannt. Ist man einmal oben geht es ja eigentlich nur noch bergab. Von 2’000 müM bis 0 müM mit dem Apennin als kleine Welle vor dem Mittelmeer.

Die ersten Hundert – Simplonpass

Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin AlpenLos ging es um 05:45 Uhr. Es war stockfinster, sternenklar und laut Wetterstation sollte es auf dem Simplon auf 2000 Metern 2°C haben. Beinlinge an, Windstopperunterhemd und los geht’s.
In den Riederkehren (ist die alte Simplonstrasse) war es noch stockdunkel aber langsam wurde es heller. Die Startzeit hatte ich so berechnet, dass ich bei vollem Tageslicht den Pass erreiche.

Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin AlpenAuf der Simplon-Hauptstrasse kamen bereits die ersten Lastwagen. Kurz vor dem Simplonpass beim langen Tunnel war zu dem Zeitpunkt eine Baustelle mit Ampel. Die lange Rotphase nutzte ich aus, um mich für die Abfahrt warm anzuziehen. Die angegeben 2°C waren nicht übertrieben.
Volle Kanne ging es nun den Pass hinunter. Langsam kam auch die Sonne auf und damit auch ein wenig Wärme. Unten in Crevoladossola entledigte ich mich der Windjacke und den Beinlingen. Nicht dass es gerade sommerlich warm war, aber jetzt ging es nur noch flach vorwärts, so dass der Körper wohl auch etwas Wärme von Innen erzeugen würde.
In Gravellona Toce waren die ersten 100 Kilometer meiner Tour voll.

Die zweiten Hundert – Po Ebene

So lange Strecken fahre ich im Kopf immer nach Etappen. Diese Strecke hatte ich in 3 Abschnitte eingeteilt. Die ersten 100 Kilometer, von Naters (oberhalb von Brig) nach Gravellona über den Simplon Pass und durch das Ossola Tal. Die 2. Etappe durch die Po-Ebene und die 3. von Tortona ins Ziel nach Chiavari.
Von Gravellona bis Orta war es grauenhaft mit dem Verkehr. Am See entlang war es dann aber wieder sehr schön zu fahren und zu schauen. Am Ende des Sees ging es nochmals einen Hügel hoch. Hier wusste ich, dass es für lange Zeit der letzte Anstieg sein würde. Ab jetzt wird es lange, sehr lange Zeit flach.
In Novara standen ca. 160 Kilometer auf dem Garmin. Jetzt kam die Po Ebene. 100 Kilometer flach und geradeaus. Der erste nennenswerte Hügel kommt in der Po Ebene nach ca. 70 Kilometern: die Brücke über den Po.
Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin AlpenAuch das hat seinen Reiz. Diese langen geraden Strecken laden zum Nachdenken ein. Jedoch in dem Moment nicht gerade über den Sinn dieses Unterfangens, sondern lieber sich an Gottes schöner Natur sattsehen und die Gedanken schweifen lassen.
Die Strasse selber war holprig. Es gab eine Spur von Schlaglöchern, die von den Rädern der LKW stammen. Entweder man fährt konzentriert sehr stark rechts am Rand oder dann in der Spur selber und sieht es als MTB-Tour an. In der Mitte der Spur zu fahren ist nicht ratsam. Die Strasse ist eng, gerade und die italienischen LWK-Fahrer sind ziemlich fix unterwegs.
Zu dieser Zeit war in der Region gerade Reisernte. Der Staub der Dreschmaschinen biss ordentlich in der Nase. Es war auch ziemlich warm.
Langsam ging mir das Wasser zu Ende. Es gibt nicht viele Brunnen unterwegs. So bin ich dann bei einem Supermercato kurz rein und habe mir eine Cola und ein Flasche Wasser zum Nachfüllen gekauft.
Schnell ging’s wieder weiter. 10 Kilometer nach dem Einkauf  bin ich vor Müdigkeit fast vom Rad gefallen. Nach dem ich kurz auf dem Rad eingeschlafen war (Sekundenschlaf gibt es wohl nicht nur am Auto-Steuer), wurde es mir dann doch zu gefährlich. Ich legte mich in eine Böschung und habe 20 Minuten geschlafen. Nach dieser Pause ging es mir wieder gut.
Noch gut 30 Kilometer und ich würde die ersten Hügel des Apennin erreichen, welche wieder mehr Abwechslung versprechen.

Die dritten Hundert – Apennin

Die Gegend wurde wieder abwechslungsreicher und der Wind stärker. Zum Glück hatte ich tollen Rückenwind, welcher mich gegen Bussalla schob. Ich wusste, ab Busalla sind es nur noch 80 Kilometer bis ins Ziel. Was das für 80km werden wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich habe mir den Track nicht über die Hauptstrasse nach Chiavari zusammen geklickt, sondern war so schlau eine «Abkürzung» einzubauen. Ich weiss nicht ob ich vor dem PC Angst hatte, dass die direkte Strecke zu kurz oder zu einfach war, auf alle Fälle wartete auf mich noch ein happiger Teil. Aber wie heisst es so schön? «Was ich nicht weiss, …». Aber auch wenn ich es gewusst hätte wäre ich wohl nicht umgedreht.
Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin AlpenAuf die Abzweigung zu meiner geplanten Abkürzung hielt ich nun Ausschau. Plötzlich gab mein Navi eine Abweichungsmeldung an. Hmm… habe doch keine Abzweigung gesehen? Also umgedreht und nochmals zurück. Momentan befand ich mich in Ronco Scrivia vielleicht 10 Kilometer vor Bussalla.
Ein paar Meter zurück und da war dann die Abzweigung. Eine kleine, enge Strasse unter der Autobahn durch.
Ich fuhr langsam auf die kleine Strasse und fragte mich, soll ich mich nach 280 Kilometern auf dieses Abenteuer einlassen, oder doch lieber auf der Hauptstrasse bleiben sollte? Ok, das Navi zeigt nach rechts, als dann ab nach rechts.
Die Strasse führte mit einer moderaten Steigung langsam in ein Tal hinein. Die Bäume gaben schön Schatten und es macht nach der langen, langweiligen Flachetappe richtig Spass.
Langsam wurde aber die Strasse schlechter und steiler. 10% mit Schotterpassagen. Immer wieder wechselte Kies mit Asphalt ab. Dann ein längeres Schotterstück mit um die 15%. Vor mir tauchte ein Auto auf, hinter mir hörte ich ein Auto kommen. Der Kies war ziemlich tief und es gab nur eine Spur für meine dünnen Reifen und diese Spur war in der Mitte. Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin AlpenIch konnte nicht anhalten. Ich war so langsam, dass ich nicht richtig aus den Pedalen rauskam. Es war einfach zu steil und ich war zu langsam. Irgendwie schaffte ich es dann doch neben dem Auto durchzufahren, ohne dass ich ihm meine Unterschrift in den Lack ritzte oder den Rückspiegel mit nahm. Der letzte Kilometer ging dann noch weiter zweistellig hoch zu einer Marienkirche. Da gab es dann auch einen bereits ersehnten Wasserhahn wo ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen konnte.
Die Abfahrt war sehr steil und Strasse immer noch schlecht aber wenigstens asphaltiert. Unten angekommen ging es dann den nächsten Hügel hoch. Hier war die Strasse wieder sehr gut und die Steigung moderat. Wobei nach fast 300 Kilometern auch moderate Steigungen anstrengend sein können. Ich will mich aber nicht beklagen. Es ging nun Richtung Camarza, Sorrivi, Nenno nach Avosso. Eine landschaftlich sehr schöne Strecke. Vor Avosso kam ich dann wieder auf die Hauptstrasse. Es war ein Umweg von 20 Kilometern und 660 Höhenmetern. Statt 15 Kilometer und gerade einmal 150 Höhenmetern.

Die restlichen Meter

Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin AlpenWieder auf der Strasse Richtung Passo della Scoffera, hatte ich einen italienischen Radler überholt. Nach Tradition der Italiener hat sich dieser mir in den Windschatten gehängt. War natürlich mächtig stolz, dass ich nach 300 Kilometern immer noch schnell genug war um einem anderen Radler Windschatten zu spenden. Später hat er mich dann überholt und mit mir ein Gespräch angefangen. Halb englisch und italienisch haben wir uns dann gegenseitig den Scoffera hochgelobt. Er selber ist dann im Ort Scoffera abgebogen. Er wohnt wohl in dem Dorf.
Von Naters nach Chiavari sommer reisen touren Schweiz Rennradtour Rennrad Italien Apennin AlpenHier oben auf dem Scoffera fühlte ich mich schon fast zu Hause, gehen doch einige Touren der Reisen von Chiavari aus über diesen verkehrstechnisch wichtigen Pass. Jetzt ging’s nur noch ca. 40 Kilometer das Fontanabuona Tal hinunter. Bis nach Carasco lief es richtig flott. Hier bog ich dann wie gewohnt auf die ca. 220 extra Höhenmeter hinauf nach Leivi ab, denn… “der Leivi geht immer”. und den Verkehr zwischen Carasco und Chiavari wollte ich mir  auch trotz müder Beinen ersparen.

Oben bei der Kirche angekommen, ging gerade die Sonne im Meer unter. Ein wunderschöner Anblick. Geschafft! Es war wieder einmal eine eindrückliche schöne Reise. Rund 350 Kilometer. Von Naters bis Chiavari ans Meer.

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