Knarzen   DT Swiss Nabe Lightweight Hinterrad tests technik Rennradteile Lightweight Laufräder Komponenten
Knarzen   DT Swiss Nabe Lightweight Hinterrad tests technik Rennradteile Lightweight Laufräder Komponenten

Das Problem kennen alle, die einen Carbonrahmen fahren (ergo fast alle Rennradfahrer und -fahrerinnen): Knarzgeräusche, welche sich aufgrund des Resonanzkörpers (vulgo Carbonrahmen) schwer lokalisieren lassen. Es gibt zahlreiche nützliche Tipps – von all den Leuten die neben einem herfahren und von den Geräuschen genervt sind als auch in Internet Blogs – wie man sich dem Problem systematisch nähern kann. Und das sollte man auch tun – systematisch rangehen meine ich – und wirklich alle mit einfachen Mitteln zu ermittelnden Geräuschquellen schrittweise ausschliessen, bevor man Hand anlegt.
Nicht so, wie ich es gemacht habe – aber eben, aus Fehlern lernt man und schreibt einen hoffentlich nützlichen Blogpost – fair enough.

Es kündigt sich was an – alles ist relativ

Natürlich kam das Knarzen nicht von heute auf morgen. Konkret hat es sich schon letzte Saison leicht bemerkbar gemacht. Auf den Rennradreisen habe ich schon jegliche Couleur erlebt, was die Empfindlichkeit gegenüber Störgeräuschen am Rennrad angeht. Von den Extremen, die beim leichtesten Knacksen einen Reiseabbruch in Erwägung gezogen haben bis zum anderen Extrem, mit welchen eine Unterhaltung aufgrund des Lärms aus dem Antrieb fast unmöglich wurde. Ich gehöre eher zur letzten Sorte und sage mir: Ein bisschen Krach macht ein Carbonrad doch immer, Hauptsache es fährt sich gut. Meist bilde ich mir ein, zu wissen, woher das Störgeräusch kommt und tue es damit ab, dass ich es mit etwas Fett oder Oel zwar beheben könnte, es nach der nächsten Regenfahrt (und die kommt bestimmt!) sowieso wieder da sein wird.

Frühlingsreisen mit Nebengeräuschen

So hat sich das ständig lauter werdende Knarzgeräsch erfolgreich durch den Winter gemogelt und es auch in die Reisesaison 2018 gerettet. Zweifellos hätte es sich gelohnt, sich dem Thema mal anzunehmen. Denn obwohl ich viele Frühlingsreisen geleitet habe, bin ich kaum mal nass geworden. Die oben erwähnte Prokrastinationsstrategie wäre also nicht anwendbar gewesen. Aber auch ohne Regenfahrten: Das Knarzen hat sich zu einem fulminanten Crescendo hochorchestriert. Da war nichts mehr relativ, nur noch absolut nervig (an dieser Stelle eine Entschuldigung meinerseits an alle die Mitfahrer, welche mich haben ertragen müssen). Was zu einer komplett neuen Trainingsmethodik geführt hat: Im Laufe der zahlreichen Touren habe ich bemerkt, dass sich das Geräusch durch Modifikation des Schräglaufs der Kette etwas vermindern liess. Was dazu führte, dass ich in den Trainingswochen ziemlich dicke Gänge getreten habe, denn es war mir vor den Reiseteilnehmern einfach peinlich, den Genuss der Radtouren mit diesem Radau zu mindern.

Wer nervt, dem wird geholfen

Natürlich hiess es immer ziemlich bald: «Was ist denn mit deinem Rad los?». Und so kamen die Tipps, die ich auch artig befolgte: Pedale wechseln, Ausfallenden fetten, eine Weile nur Wiegetritt fahren um auszuschliessen, dass die Sattelstütze knarzt. Spezieller Dank gilt hier Marco, der beim Saisonauftakt in Ligurien aufopferungsvoll gegen das Knarzen gekämpft hat. Wenn ich am Morgen zu meinem Scott Foil kam, waren kleine Fett- und Oelspuren an den neuralgischen Punkten zu erkennen. Marco hat alles ausgepackt, was der begrenzte Werkzeugfundus auf einer Reise hergibt, aber Kriechoel, Fett und sogar eine Kurbeldemontage waren wirkungslos gegen ein immer lauter werdendes Geknarze und zum Ende der Woche musste er die Waffen strecken und ging mit meiner Einschätzung einig: Tretlagerschalen austreiben, neue kaufen, fetten, einpressen und Ruhe ist.

Der nötige Tritt in den A….

Natürlich war mir das schon etwas peinlich, dass ich Marco im Urlaub mit den Geräuschen dermassen gepeinigt habe, dass er sich nach den Touren noch um mein Rad gekümmert hat. Also musste ich vor der nächsten Reise handeln. Tretlager mit roher Gewalt austreiben und Ersatz bestellen (was erwartungsgemäss gar nicht so einfach war angesichts der Vielfalt an Tretlagerstandards). Doch mit Hilfe von Lutz konnte etwas Passendes bestellt werden (naja fast passend: die Tretlagerbreite des Scott Foil Jahrgang 2013 scheint eher ungewöhnlich zu sein, so dass wir uns entschieden haben, wieder ein Shimano Tretlager zu bestellen und die Distanzhülse des alten Lagers auf das neue zu stecken). Der Einbau verlief dafür dann viel einfacher als erwartet. Mit einem gewissen Stolz war das Foil zwei Tage vor der nächsten Reise wieder flugbereit. Auf einer kurzen Testfahrt zur Bäckerei schien alles gut, Euphorie!

War wohl nichts

Die nächste Reise stand also an, erste Tour, erste ruppige Steigung und siehe da: alles beim Alten. Ich konnte mich also wieder auf eine Woche dicke Gänge, Entschuldigungen vor den Teilnehmern und nerviges Geknarze einstellen. Und so war es auch. Und ich war langsam auch wirklich verzweifelt, ob ich denn das Geräusch jemals wieder los werden würde, immerhin hatte eine Woche Fetten und Oelen und auch ein Austausch der Tretlagerschalen absolut nichts gebracht. Aber siehe da, noch auf der ersten Tour fuhr Alex vor mir (danke Alex!) und sagte ganz trocken: «das sind deine Lightweights. Du musst die Lager fetten. Hatte ich auch …».
Mann! Schon lange hatte ich ja bemerkt, dass die Kettenlinie auf das Geräusch einen Einfluss hatte und ich spürte auch an der Kette etwas, wenn das Knarzen ganz übel war. Wieso hatte ich nicht mal versucht, rasch das Hinterrad (Shimano 11fach ist ja nicht ganz so selten) zu tauschen und zu prüfen, ob das Geräusch noch da war? Bevor ich die eigentlich noch völlig intakten Tretlagerschalen ausgepresst habe?

Problem in 10 Minuten gelöst

Knarzen   DT Swiss Nabe Lightweight Hinterrad tests technik Rennradteile Lightweight Laufräder KomponentenIn der Reisewoche wollte ich natürlich nichts mehr anbrennen lassen, aber kaum zu Hause, musste der Sündenbock her. Nun ist es ja dankbarerweise so, dass Lighweight bei den Meilenstein hinten eine DT Swiss 240S Nabe verbaut. Da ich schon mal von Campagnolo auf Shimano gewechselt habe war mir klar, dass diese Nabe mit wenigen Handgriffen zerlegt werden kann. Auch wenn ich es nicht ganz so cool machen kann wie im YouTube Video und die Kappe nur im Schraubstock abziehen kann, welche den Freilauf sichert: die Nabe war in weniger als 5 Minuten zerlegt, etwas Kriechöl auf die Lager, einwirken lassen, dann noch Lagerfett drauf, zusammenstecken und einbauen, was nochmals 5 Minuten gedauert hat.
Seither ist wieder Ruhe!

Fazit

Das Fazit dieser zu langen Geschichte: Auch wenn es zu 100% und garantiert und offensichtlich aus dem Rahmen knarzt: tauscht auch mal das Hinterrad aus auf der systematischen Suche nach dem Störenfried. Es kostet euch nichts und wer weiss, ev. verstärkt der Rahmen eben doch nur ein Geräusch, das von einem anderen Ort stammt.

3 Kommentare

  1. Reto

    Beruhigend zu wissen, dass auch Technik-Profis Mühe bekunden, dem jeweiligen Problem auf die Schliche zu kommen. Ich bin stets ahnungslos und solange der Lärm nicht ohrenbetäubend ausfällt, lass ich’s gut sein…

    Antworten

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