GPSies Übernahme durch AllTrails   Plädoyer für Softwarelizenzen turnaround Tourenplaner
GPSies Übernahme durch AllTrails   Plädoyer für Softwarelizenzen turnaround Tourenplaner

Ich habe GPSies nie genutzt. Oder nur selten. Das Design war mir zu chaotisch, ebenso die Sammlung der Touren. Ich habe ein paar Mal versucht, Tourenvorschläge in einem mir unbekannten Gebiet zu suchen und nichts Passendes gefunden. Was ich aber häufiger genutzt habe, war die Konvertierung der verschiedenen Trackformate. Ein äusserst praktisches Tool, einfach so nutzbar, online. Damit ist jetzt leider Schluss.

Softwareentwicklung – ein Knochenjob

Ich bin selbst Entwickler von Web-Applikationen und kenne die Arbeit, die dahintersteckt. Vor allem, wenn es darum geht, an den Details zu arbeiten. Schnell ist ein grober, funktionaler Prototyp erstellt. Aber wenn die Usability stimmen soll, steigt der Aufwand ins Astronomische. Das war GPSies anzumerken, immerhin war es nur eineo oneman Show. Meinen allergrössten Respekt davor, was Klaus Bechtold auf die Beine gestellt hat.

Es ist ein Muster, das man in dieser Branche oft sieht. Jemand hat eine gute Idee, beginnt mit viel Enthusiasmus, oft neben dem Brotjob, mit einem Projekt, das vielen Usern (und in diesem Fall unter anderem den Rennradfahrern) kostenlos hilft.
Etwas später kommen grössere Player auf den Markt, die die Idee professioneller angehen, allenfalls fremdfinanziert sind und versuchen, aus der Idee ein marktfähiges Produkt zu bauen.

Die verdammte Gratis Mentalität

Dass Klaus Bechtold nach 13 Jahren GPSies aufgibt und versucht, sein Baby an einen dieser Player zu verkaufen, ist mehr als verständlich. An dieser Stelle sei ihm einfach zu danken, was er mit seinem Projekt ins Rollen gebracht hat und damit der Community gedient hat.
Leider werden die Benutzer von GPSies darüber nicht sehr glücklich sein (siehe Link am Schluss des Beitrags). Aber ganz ehrlich, die Schuld dafür liegt bei den Usern und nicht bei Klaus.

Wir haben vor einigen Jahren für die Planung unserer Rennradreisen und für die Erstellung der Roadbooks auf Komoot gesetzt. Der Website sieht man auf Anhieb an, dass ein professionelles Team dahintersteckt. Die App ist toll gemacht, damit lässt sich unterwegs mit dem Tablet eine Tour für den nächsten Tag planen und aufs Navi laden. Der Routenplaner sucht seinesgleichen.
Und das Beste daran: die Firma denkt gross. Ein modernes Unternehmen, das sich auf die Fahne schreibt, den weltweit besten Tourenplaner zu programmieren. Und wer hätte das gedacht: die Entwickler arbeiten zwar fast alle Remote, wie das bei einigen modernen Start-Ups aus der IT-Szene der Fall ist, hat aber Sitz in Potsdam. Da monieren wir immer, dass uns die im Silicon Valley und in China beheimateten Unternehmen die Butter vom Brot nehmen und wir uns nicht wagen, gross zu denken.

Programmierer leben nicht von Luft und Liebe

Komischerweise beobachte ich aber auf den Rennradreisen, dass man bereit ist, nach der Tour 10€ für zwei Bier hinzublättern, aber einmalig 19€ Lizenzgebühren zu bezahlen, damit man den Tourenplaner und die App ohne zeitliche Einschränkung nutzen darf, darüber wird die Nase gerümpft.

Leute, schaut euch mal die Teamseite von Komoot an. Komoot hat Ausserordentliches geschafft. Es wurde genug Venture Capital geraised, um einen sauberen Start hinzulegen und uns ein minimal viable product zu liefern, das wir für die Ausübung unseres geliebten Sports nutzen können.

Aber Investoren wollen ein tragfähiges Business Modell sehen, ein Produkt, das irgendwann mal Gewinn abwirft. Denn bei allem Enthusiasmus. Niemand kann davon leben, und dass Bechtold GPSies dreizehn Jahre am Leben erhalten hat, ist schon eine grosse Leistung.

Also wenn ihr wollt, dass eure wertvollen gespeicherten Touren, alle die tollen Beschreibungen von Highlights, die Fotos etc. erhalten bleiben und ihr euch nicht in ein paar Jahren wieder in ein neues Tool einarbeiten wollt, dann gebt euch einen Ruck und helft einem coolen Projekt, damit die Entwickler etwas zwischen die Beisser kriegen. Ob das Komoot oder Outdooractive ist, ist schlussendlich egal. Aber für ein gutes Produkt einen kleinen Obulus zu bezahlen ist einfach nur fair.

Weiterführende Links

Pressemitteilung zur GPSies Übernahme durch AllTrails:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Routenportal-GPSies-geht-ueber-in-AllTrails-4479800.html

Folgt unserem Komoot Account, hunderte gefahrene, geprüfte und schön dokumentierte Touren:
https://www.komoot.de/user/379611953925

8 Kommentare

  1. Reto

    Ja diese elende Gratis Mentalität – liegt halt daran, dass Software nur Information ist und grundsätzlich nahezu kostenlos kopiert/verwendet werden kann. Bei einem Bier ist jedem klar, dass genau diese Bier-Instanz, die man nun gekauft hat, auch bereits Kosten verursacht hat. Bei kopierter Software sieht es anders aus. Da sind keine Kosten entstanden, sondern Einnahmen den Software-Entwicklern entgangen. Das ist ein grosser Unterschied.

    Disclaimer: Bin auch Software Entwickler…

    Antworten
    1. Lukas Autor

      Hehe, die Bier-Instanz gefällt mir.
      Allenfalls sollte man einen Aspect auf die Erstellung einer Bier-Instanz legen, der einen Mini-Obulus in einen “globalen coding fund” triggert …
      Abgesehen davon ist es so, aber auch völlig absurd. Virtuelle Ware hat keinen Wert, aber wenn du den Leuten das Internet abschaltest sind sie komplett verloren.

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  2. Schade für Gpsies. Trotz “chaotischer” Datenhaltung habe ich dort manche Perle über die Suchfunktion gefunden.
    Der Nachfolger AllTrails kann das nicht annähernd abdecken und auch die Datenübernahme hat bis jetzt nicht geklappt.
    Bleibt also Komoot. Den Obulus bezahle ich bei Eignung gerne…

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    1. Lukas Autor

      Dann hoffe ich auf Eignung! Auch bei Komoot ist ein gewisses Chaos nicht wegzudiskutieren. Insbesondere die vorgeschlagenen Touren auf der Startseite sind teilweise von jämmerlicher Qualität und mir fehlen gewissen Suchfunktionen. Aber Routenplaner, die Highlights und die App sind schon mal richtig gut.
      Würde mich interessieren, ob es für dich dann passt. Ev. magst du es ja hier kommentieren.

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  3. Andreas

    Ich habe für Komoot das Komplettpaket bezahlt und würde auch durchaus eine Updategebühr akzeptieren. Wenn die nicht gefordert wird, nehme ich das weiterhin kostenfrei mit. Ist das jetzt verwerflich? Denn so ganz gratis ist diese “Mentalität” ja genaugenommen auch wieder nicht. Ich bezahle letztendlich mit meinem Bewegungsprofil meiner gespeicherten Touren inkl. Bildern und “helfe” somit, dass das Portal an Attraktivität gewinnt. Es sind letztendlich meine persönlichen Daten.

    Für den Routenplaner bei Garmin bezahle ich mit dem Kauf der Geräte und bekomme sogar so was wie ein bisschen KI mit der Funktionalität des Beliebtheitsrouting, liefere hier aber auch zusätzlich Gesundheitsdaten bei jedem Umlegen des Pulsgurtes. Fahre ich dann noch eine Powermeter, wird es richtig interessant.

    Auf Gpsies habe ich lediglich Touren abgeladen, weil sich die OSM-Karten direkt verlinken lassen, jedoch nie Touren geplant. Aber auch so habe ich mit persönlichen Daten und Informationen bezahlt.

    Ganz verstehe ich deshalb die Argumente des Autors dieses Beitrages nicht, für eine im Ansatz gute Idee mit einem mittlerweile veraltetem Konzept, chaotischer Usability und schlechtem Marketing die Schuld auf den User zu übertragen und dann selbst einen Anbieter zu nutzen, nur weil er professioneller arbeitet. Das widerspricht sich irgendwie.

    Last but not least bleibt eine Frage offen, wer hat die größeren Vorteile dieser “ach so verteufelten” Gratismentalität, der User oder der große Player? 😉

    Antworten
    1. Lukas Autor

      Hallo Andreas
      ich glaube, du hast den Beitrag nicht so aufmerksam gelesen. Es geht ja nicht um Komoot. Und der Aufruf war einzig: wenn ihr ein Interesse habt, dass so ein Angebot bestehen bleibt, dann nutzt es nicht nur kostenlos, sondern kauft euch doch mal das Komplettpaket. Wie du schreibst, hast du das gemacht. Insofern nein: ich finde das überhaupt nicht verwerflich. Wieso fühlst du dich angegriffen?

      Daher kann ich auch den Widerspruch nicht erkennen und glaube eher, dass du mein Posting missverstanden hast. Ich finde es schade, dass es GPSies nicht mehr gibt. Ein paar nützliche Funktionen gehen damit verloren. Aber klar war auch, dass das eben langfristig nicht tragfähig ist. Mein Aufruf lautet daher einzig: wenn ihr ein Interesse habt, Komoot oder Outdooractive oder whatever Web Service (es muss auch nicht ein Tourenplaner sein) langfristig zu nutzen, überlegt euch doch, etwas dafür zu bezahlen. Meine Erfahrung ist halt, dass die Leute die 19€ als teure empfinden. Kann ich nicht nachvollziehen.

      Im übrigen kann ich dir aus eigener beruflichen Erfahrung sagen, dass man
      a) zuerst mal lesen sollte, ob die Player überhaupt gemäss ihrer Datenschutzerklärung berechtigt sind, deine Daten anderweitig zu vermarkten
      b) ein Businessmodell sein kann, mit Daten zu handeln, um ein Angebot kostenlos anzubieten. Ich finde das nicht gut. Aber es ist wie bei Online Inhalten: irgendwie muss das finanziert werden. Über Abos, Werbung, Datenverkauf, etc.
      c) man schon ein sehr grosser Player sein muss, damit man mit diesen Daten etwas finanzieren kann
      d) wenn man in dieser Branche arbeitet, das auch bewerten kann: ja, die Gratismentalität ist Sch…..

      Lukas

      Antworten
      1. Andreas

        Anzunehmen, dass der geneigte Leser sich gleich angegriffen fühlt, ist ebenso pauschalisiert wie die Annahme, der Kunde wäre im aktuellen Fall der Schuldige. Ich finde, dies ist eine nicht ganz neutrale Sicht eines Softwareentwicklers. Sind wir (ja, ich ebenso) nicht auch manchmal ganz froh, eine Opensource-Routine aus der SourceForge oder CodeProject gratis zu nutzen oder mit PHP auf MySql zugreifen zu können ohne gleich ein teures Oracel-Linzensmodell bezahlen zu müssen. Gratis ist dann vielleicht doch nicht ganz so sch… 😉

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        1. Lukas Autor

          Hallo Andreas,

          das mit dem “angegriffen” war bewusst etwas provokativ formuliert und habe ich nachträglich eingebaut 😉
          Es folgt eigentlich aus deiner Aussage “Wenn die nicht gefordert wird, nehme ich das weiterhin kostenfrei mit. Ist das jetzt verwerflich?”

          Zu meinem Background: Ich gehöre noch der Garde an, die auf dem 386er den Linux Kernel übersetzt hat, als die meisten Leute Win 3.11 oder 95 benutzt haben.
          Ich bin seit Studienzeiten glühender Verfechter von OpenSource Software und verdiene meinen Lebensunterhalt mit der Nutzung derjenigen. Und versuche auch, die OpenSource, die ich nutze, zu unterstützen wenn es entsprechende Modelle gibt.

          Ich finde eben, OpenSource hat – oder sollte – nichts mit gratis zu tun haben. Aber weder GPSies noch Komoot sind ja OpenSource.

          Um es einfach zu machen: ob OpenSource oder nicht, ich finde, gute Software kann man (aber muss man natürlich nicht) unterstützen. Und auf was ich raus wollte: die Wahrnehmung, wozu wir bereit sind, 10 oder 20€ auszugeben. Dass viel Arbeit hinter so einem Produkt steckt, und der Preis von 4 Bier für eine Komoot Lizenz ein guter Gegenwert sind 😉

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