Favero Assioma Test   Der BePro Nachfolger tests technik Wattmesser Rennradteile Powermeter Pedale Komponenten
Favero Assioma Test   Der BePro Nachfolger tests technik Wattmesser Rennradteile Powermeter Pedale Komponenten

Auf der Suche nach Powermeter-Pedalen stiess ich vor ein paar Wochen auf die Favero Assioma, den Nachfolger der BePro Pedale, welche ja in verschiedenen Tests stets gut abschnitten. So entschied ich, darauf zu warten und die Vorbestellung zu nutzen. Angekündigt wurden sie für Ende Juli 2017.

Wie wohl viele andere dachte ich BePro wäre die Firma. Ich las aber nun, dass der italienische Hersteller beider Pedale Favero ist. Auf den Markt kommt nun auch kein BePro II sondern das Model “Assioma”. Auf deutsch Axiom.

Warum Powermeter Pedale?

Bisher konnten mich die Pedalsysteme nicht überzeugen. Die Garmin Vector I Modelle von Kollegen zeigten allesamt Werte die selten stimmen konnten. Bei Reisen wurde täglich mit dem Drehmomentschlüssel hantiert, die definitiv falschen Werte blieben meist. OK. Garmin Vector II soll da besser sein aber diese Einstellungsgeschichte stört mich gewaltig. Von Neuerscheinung zu Neuerscheinung der verschiedenen Anbieter schien es zunehmend besser und einfacher zu werden.

Die BePro hörten sich dann schon recht gut und auch einfach zu montieren an. Ich kenne selber zwei zufriedene BePro Fahrer. Die Assioma werden nun tatsächlich damit beworben, dass sie komplett wie normale Pedale in einer Minute angeschraubt sind und ohne Drehmomentschlüssel, genauer Positionierung, etc. montiert werden. Anschrauben und fertig. Dazu später mehr.

Bisher bin ich verschiedene kurbelbasierte Powermeter gefahren. Power2Max, Rotor Power und Stages. Ausser mit den Stages habe ich hier stets sehr gute Erfahrungen gemacht. Einbauen, Kalibrieren, losfahren, funktioniert.

Für die Nutzung des eigenen Powermeters an Leihrädern im Urlaub bietet der Stages Powermeter davon bisher die besten Möglichkeiten, da hier ja nur der Kurbelarm auf der Seite gegenüber den Kettenblättern getauscht werden muss. Und Ultegra, wie in meinem Falle, ist ja weit verbreitet.

Noch einfacher für diesen Einsatz erscheinen mir hier aber die Pedale. Man nimmt ja eh die eigenen Pedale mit. Von daher entstand die Idee für eins meiner Räder nun einmal ein NICHT kurbelbasiertes Wattmesssystem anzuschaffen.

Sinnvoll kann die Anschaffung auch für Personen mit mehreren Rennrädern haben. Da die Montage extrem leicht ist, kann man ohne grossen Aufwand die Pedale zwischen Rädern wechseln. Wenn man dies nicht gerade täglich macht (Was sicher auf Dauer dem Gewinde missfällt) sollte man hier mit einem Powermeter für mehrere Räder (z.B. Bergrad, Zeitfahrrad, Aerorad) auskommen können.

Ein von mir vermuteter Nachteil von Pedalsystemen gegenüber Kurbel- oder Naben-Powermetern sehe ich in der Exponiertheit. Bei jedem Umfallen des Rades oder Sturz werden sie Bodenkontakt haben. Klar. Man versucht beides zu vermeiden. Statistisch gesehen kann und wird davon aber etwas eintreten.

Wattmesser Favero Assioma Uno oder Duo?

Favero Assioma Test   Der BePro Nachfolger tests technik Wattmesser Rennradteile Powermeter Pedale KomponentenWie bei vielen Powermeter Systemen, werden auch die Assioma in zwei Varianten angeboten. Favero Assioma Uno oder Duo. Eins (Uno) oder Zwei (Duo) bezieht sich hier auf die Anzahl der tatsächlich Watt messenden Pedale.

Beim Assioma Uno wird, wie bei manch anderen Powermetern auch, nur einseitig gemessen. Die ermittelten Werte werden dann einfach verdoppelt. Hat man eine sehr ausgeglichene Rechts/Links Kraftverteilung reicht dies sicher völlig aus und man bekommt für € 500.- oder im Strassenpreis auch drunter, ein preiswertes Watt-Messsystem.

Das Assioma Duo misst an beiden Pedalen separat und kann somit auch die Rechts/Links Verteilung und auch weitere Werte getrennt Rechts/Links anzeigen. Hier liegt der Preis bei € 799.- oder je nach Anbieter auch darunter.

Ich habe mich für die Duo Version entschieden. Zwar ist meine Kraftverteilung aktuell recht nah bei 50:50. Dennoch möchte ich die “kompletten” Daten haben um auch Veränderungen wahrnehmen zu können.

Favero Assioma Duo Powermeter Pedale

Favero Assioma Test   Der BePro Nachfolger tests technik Wattmesser Rennradteile Powermeter Pedale KomponentenPackt man die Assioma aus, sieht man zunächst oben drauf die beiden Look  KEO kompatiblen Powermeter Pedale.

Entfernt man die Abdeckung sieht man das Zubehör. Ein Ladegerät mit etlichen länderspezifischen Steckeraufsätzen, einen Satz Look KEO kompatibler Pedalplatten, zwei Ladekabel mit Magnetsteckern für die Pedale, ein 8mm Inbusschlüssel, und die Bedienungsanleitung, unter anderem in deutscher Sprache.

Favero Assioma Test   Der BePro Nachfolger tests technik Wattmesser Rennradteile Powermeter Pedale KomponentenDie Pedale sehen im Prinzip aus wie normale Pedale. Lediglich die runde Sendereinheit fällt auf. Diese ist anders als beim BePro komplett verschlossen. Daher wasserdicht und recht gut geschützt. Die beiliegenden Kabel zum Laden der Assioma sind Magnetstecker und werden für den Ladevorgang einfach zwischen Pedal und Sender aufgesteckt. Keine Steckverbindung welche gut und dicht verschlossen werden muss. Sinnvoll und voraussichtlich auch sicherer gegen Wasserschäden.

Dazu gesellen sich noch Anleitungen in verschiedenen Sprachen. Auch in Deutsch. Diese ist angenehm kurz gehalten, beinhaltet aber alles Wesentliche für Montage, Nutzung und dazu die technischen Daten.

Zu den Assioma gibt es eine Iphone oder Android App. Mit ihr kann unter Anderem die Kurbellänge eingestellt werden. Nötig ist die Nutzung für die Pedale jedoch nicht. Das Einstellen der Kurbellänge kann genauso gut am Garmin erfolgen. Es wird sogar von Favero empfohlen dies am Radcomputer zu machen, wenn dieser über die entsprechende Funktion verfügt. Neuere Garmin- oder Wahoo Geräte gehören dazu.


 

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Wenn man die App nutzt, wird man, nach dem die Pedale gefunden wurden, für jedes einzelne Pedal aufgefordert zur angezeigten Seriennummer noch Name und Email Adresse anzugeben. Ich interpretiere dies als Registrierung. Mal sehen, wieviel Werbe-Mail dadurch auf den Rechner flattern werden.

Aber wie gesagt. Für die Nutzung kann man sich die App komplett sparen, wenn man einen passenden Radcomputer besitzt. Und wer sich einen Wattmesser kauft, hat ja in der Regel so ein Gerät, um die Daten nutzen zu können.

Garmin Geräte und auch Fahrradcomputer anderer Hersteller funktionieren problemlos mit dem Favero Assioma. Aktivieren, suchen, Kurbellänge einstellen, fertig. Bei Bedarf kann hier auch eine Nullstellenkalibrierung erfolgen. Der Teil ist analog zu fast allen anderen Powermetern.

Update 16.10.2017: Auffallend ist, dass bei einer Kalibrierung über den Garmin stets eine 0 als erfolgreiches Kalibrierungsergebnis kommt. Bei anderen Powermetern kenne ich da Zahlen in den 1000ern oder z.B. bei Stages zwischen 840 und 940. Ich habe hier einmal recherchiert und erfahren, dass dies kein Fehler ist sondern Absicht. Die Assioma Pedale zeigen hier keinen internen Wert an sondern die Tatsache, dass tatsächlich korrekt auf die 0 (also keine Kraft auf den Pedalen) kalibriert wurde. So wurde es mir jedenfalls bestätigt.

Der Garmin meldet sich selbständig wenn die Batterie schwach wird. Ab der ersten Meldung sollen noch 8 Stunden Fahrzeit drin liegen bevor der Akku leer ist.

Was viele andere Geräte, anders als die Favero Assioma Pedale, (noch) nicht haben ist eine Bluetooth Verbindung. Diese bringt der Favero Assioma mit, so dass die Watt-Werte z.B. auch an Smartphone Apps, wie z.B. die von Strava, gesendet werden können.

Favero Assioma Test   Der BePro Nachfolger tests technik Wattmesser Rennradteile Powermeter Pedale KomponentenDie Messeinheit der Pedale ist wasserdicht (Schutzklasse IP67) untergebracht. Anders als beim Vorgänger gibt es auch keine offene Steckverbindung zum Laden. Das Kabel wird auf die zwei Kontakte aufgesetzt und hält magnetisch. In der Praxis funktioniert dies prima. Beiliegend ist ein Stecker mit zwei USB Anschlüssen für die beiden beiliegenden Ladekabel, so dass beide Pedale gleichzeitig an einer Steckdose geladen werden können.

Je 4 LED an den Pedalen zeigen den Ladezustand oder auch den Betriebszustand an.

Die Akkus (Lithium) sind fest eingebaut und können nicht gewechselt werden. Die Reichweite wird mit 50 Stunden beziffert, so dass man bei einem längeren Trainingslager an das Aufladen denken muss. Da einen der Garmin daran erinnert, sollte dies jedoch umsetzbar sein.

Mit je knapp 150 Gramm sind die Pedale auch mit Wattmesseinheit (Diese wiegt wohl 25g) recht leicht. Sie sind offiziell KEO Schuhplatten kompatibel. Favero vertreibt auch eigene Schuhplatten. Rote, mit 6 Grad Bewegungsspielraum, sind im Lieferumfang enthalten.

Montage der Favero Assioma Pedale

Die Montage gestaltet sich wie versprochen sehr leicht. Sie müssen tatsächlich wie jedes andere Pedal ohne Wattmessung, einfach nur angeschraubt werden. Das Drehmoment beim Anschrauben wird mit 35 – 40 Nm angegeben. Wenn der Kurbel Hersteller jedoch andere Werte vorgibt, sollen gemäss Anleitung, diese genommen werden. Das zeigt, dass die Pedale tatsächlich ohne spezielle Vorgaben angeschraubt werden können. Für die Montage selber liegt ein guter, langer, stabiler 8mm Inbusschlüssel bei.

Worauf man bei der Montage einzig achten muss ist, dass die Sendereinheit des Assioma nicht  an die Kurbel gedrückt wird. Dies kann vor allem bei Kurbeln mit Vertiefungen an den Schraublöchern sein. Für diesen Fall müssen 1-2 der beiliegenden Unterlegscheiben eingesetzt werden. Bei meiner Rotor 3D+ Kurbel wurden sie nicht benötigt.

Bei der Ersten Fahrt senden die Pedale zunächst KEINE Leistungsdaten. Es ist eine erste Auto-Kalibrierung notwendig. Dazu tritt man gemäss Anleitung 10 Mal gleichmässig in die Pedale, im Prinzip fährt man einfach gleichmässig tretend los. Fertig. Danach sollten Leistungsdaten kommen, was bedeutet, dass diese Auto-Kalibrierung erfolgt ist.

Das alles ist aber gut in der auch in Deutsch verfassten Anleitung beschrieben.

Die Assioma Favero Duo Powermeter Pedale in der Praxis

Neben allen technischen Details interessiert jedoch vor allem, wie die Pedale in der Praxis funktionieren.

Favero Assioma Test   Der BePro Nachfolger tests technik Wattmesser Rennradteile Powermeter Pedale KomponentenIch kann sagen unspektakulär. Was ich jedoch positiv meine. Sie verrichten einfach in allen Belangen ihre Arbeit, so wie es versprochen wurde.

Das Pedal selber lässt sich in der Auslösehärte einstellen. Ein- und Ausklicken klappt ebenso gut wie bei einem normalen Look Pedal.

Sind die Pedale einmal mit dem Garmin gekoppelt, wurden sie auf meinen Fahrten bisher stets problemlos erkannt und die Leistungsdaten wurden dabei wie bei jedem anderen Wattmesser angezeigt. Positiv ist, dass ich bisher keine Datenaussetzer festgestellt habe. Diese habe ich minimal beim Power2Max (Erste Generation) und permanent bei den Stages, wenn der Garmin vor dem Vorbau platziert ist. Die Favero Assioma scheinen hier eine gute Verbindung zum Garmin zu haben, egal wo dieser sitzt. Ähnlich gute Erfahrungen habe ich hier bisher nur mit den Rotor Power Kurbeln gemacht.

Der Assioma Duo kann folgende Daten über Bluetooth v4.0 oder ANT+ an den Garmin liefern:

  • Leistung (Watt) – zwischen 0 und 2000 Watt – Messgenauigkeit gemäss Favero +/- 2%
  • Trittfrequenz (Upm) – zwischen 30 und 180 Upm
  • Rechts/Links Leistungs-Verteilung in %
  • Gleichmässigkeit des Tretens (PS) – Pedal Smoothness
  • Drehmoment Effektivität (TE) – Torque efficiency

Das ist auch das, was die meisten anderen “echt” beidseitig messenden Powermeter liefern. Die zusätzlichen Cycling Dynamics Daten der Garmin Vektor Pedale liefern die Assioma Pedale nicht.

Da ich kein richtiges Wattmess Referenzsystem habe, kann ich nicht messen, ob die Leistungsdaten korrekt sind bzw. wie weit sie von anderen Geräten (Oder von der Wahrheit – wenn es diese denn gibt?) abweichen. Bisher vorhandene Tests die ich im Netz gefunden habe bescheinigen ihnen jedenfalls sehr gute Werte (Verglichen mit der Referenz: Cyclus 2 Ergometer) und eine hohe Stabilität im Datenfluss ohne Aussetzer.

Im einmal ausprobierten Parallelbetrieb mit meinem ebenfalls beidseitig messenden Rotor Power Leistungsmesser und zwei Garmin Geräten waren die Abweichungen, wie in den Tests, marginal. Eingestellt auf 3s Anzeige schwankte es hier um +/- 0-4 Watt, so dass ich für meine Zwecke davon ausgehen kann, dass ich im Wechsel mit beiden Systemen mit passenden Werten trainieren kann.

Fazit

Nach meiner bisherigen Skepsis gegenüber Wattmess-Pedalen bin ich positiv überrascht.

Zumindest die Favero Assioma Duo Pedale lassen sich leicht montieren, verbinden sich problemlos, zeigen konstante, realistisch erscheinende Werte an und auch das KEO kompatible Pedalsystem funktioniert gut.

Langzeiterfahrungen mit denPedalen fehlen natürlich noch. Es muss sich zeigen wie robust die Pedale auf Dauer sind. Bei einem Sturz haben sie sicher eher Bodenkontakt als Kurbelsysteme. Das hoffe ich jedoch nicht zu testen.

Es muss sich auch zeigen, wie es mit der Akku-Lebensdauer aussieht. Da sie nicht gewechselt werden können, ist zu hoffen, dass sie auch bei mehreren tausend Rad Kilometern im Jahr einige Jahre durchhalten.

Ebenso muss sich zeigen, ob sich nicht doch Schwachstellen zeigen, welche nach bisher nur wenigen hundert Kilometern noch nicht sichtbar sind.

Antworten auf diese Fragen werde ich sicher nach und nach ergänzen, sobald hier Erfahrungen und Fakten vorhanden sind.

Folgende Punkte sprechen für mich aktuell klar für die Favero Assioma (egal ob Uno oder Duo) Powermeter Pedale:

  • Aktuell wohl die einfachste Montage eines Wattmesssystems
  • Leichtes Wechseln zwischen verschiedenen Rädern
  • Einfachste Lösung für Leihräder im Urlaub
  • Geringes Mehrgewicht
  • Vergleichsweise günstiger Preis

Welche Erfahrungen habt Ihr mit dem Assioma gemacht?

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