Campagnolo Zonda   what else? tests technik Zonda Laufräder Campagnolo
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Das Laufrad ist das einfachste und effektivste Tuningteil am Rennrad. Daher sind wohl auch schon alle, die hier lesen, vor der Frage gestanden, ob sich ein Laufradwechsel lohnt, welches Laufrad es sein soll oder generell, welches Laufrad das neue Rennrad dekoriert.

Ich bin ja ziemlich italophil, muss aber gestehen, dass mich die Weiterentwicklung der Produkte von Campagnolo in den letzten Jahren etwas enttäuscht hat und daher langsam aber sicher immer mehr Shimano Produkte den Weg an meine Rennräder finden. Davon ausnehmen möchte ich aber die Laufräder. Wenn ich das (Lauf-) Rad der Zeit etwas zurückdrehe, so hatte ich doch schon einige unterschiedliche Marken an meinen Rädern: angefangen von der Rigida DP 18 Felge über verschiedene Mavic Laufräder, Gipiemme, Campagnolo von billig bis recht teuer, ZIPP, Lightweight, FSA, DT Swiss. Ich mute mir kein wirklich technisch versiertes Urteil zu, sondern einfach das eines Vielfahrers der die Unterschiede im Fahrverhalten spürt und die Teile vor allem durch intensiven Gebrauch auf Herz und Nieren beansprucht. Und da halte ich die Fahne von Campagnolo als Laufradhersteller immer hoch, enttäuscht wurde ich von diesen Rädern noch nie.

Die Evaluationsphase

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Das G3 Einspeichmuster

Zurück zum Anfang: Ein neues Laufrad soll her, aber welches? Natürlich soll es immer alles sein und können: gut bremsen, leicht sein, aerodynamisch und nicht zu viel kosten. Nicht selten wird man dabei auch über die Zondas stossen und dabei bemerken, dass dieses Laufrad ein bemerkenswertes Preis-Leistungsverhältnis bietet. Der Drahtreifen Laufradsatz wiegt laut Campagnolo 1’577g mit Campagnolo Freilaufkörper und 1’624g mit Shimano Freilaufkörper. Das sind nun keine Werte, die Leichtbaufanatiker begeistern werden, aber wenn man den Preis von ca. 350€ betrachtet, dann schneiden die Zondas einfach gut ab. So haben denn auch schon zwei Laufradsätze den Weg an meine Rennräder gefunden, der eine hat wohl so Jahrgang 2012, der andere 2015, was immer noch der aktuell verkauften Version entspricht.

Die Optik der Campagnolo Zonda

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Die alten Schnellspanner

Die Optik der Campagnolo Zonda Laufräder ist schlicht, aber gefällig. Als erstes entferne ich immer die Kleber. Diese wirken recht billig und lassen sich auch recht einfach entfernen. Danach hält man ein edel aussehendes, wertig wirkendes Laufrad in den Händen. Das Vorderrad hat 26mm Felgenhöhe, das Hinterrad deren 30. Die Speichen sind abgeflacht, so dass die Laufräder sogar einen gewissen aerodynmaischen Vorteil versprechen, mindestens optisch. In einem TOUR Test wurde den hochwertigeren Campagnolo Shamals eine durchaus gute Aerodynamik beschieden. Da die Zondas praktisch die gleiche Bauweise aufweisen, gehe ich davon aus, dass auch die Zondas ganz ordentlich abschneiden.

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Die neuen Schnellspanner

Das Hinterrad weist das bei Campagnolo übliche asymmetrische G3 Einspeichmuster auf, welches man mögen muss. Mir gefällt es, technisch soll es dazu dienen, die Antriebsseite (also die Seite mit dem Rotor) zu verstärken, welche ja eine höhere Speichenspannung aufweisen muss, da die Felge am Hinterrad wegen dem Freilaufkörper nicht mittig über den Nabenflanschen positioniert werden kann.
Natürlich: die modernen Naben von Campagnolo sind einfach nicht mehr so schön, wie die alten Record Naben. Aber man muss ja mit der Zeit gehen, trotzdem finde ich die Naben optisch nicht mehr sehr ansprechend. Die Naben Distanzhülse sieht irgendwie klobig aus, das sieht bei den Shamals deutlich netter aus, welche eine Distanzhülse aus Carbon haben. Dasselbe betrifft die Schnellspanner. Wenn ich die Schnellspanner meiner beiden Zonda Laufradsätze vergleiche, gefallen mir die älteren deutlich besser und zu bedienen sind die neueren auch nicht besser. Aber Schnellspanner kann man ja tauschen.
Sonst unterscheiden sich meine beiden Laufradsätze kaum. Bei der neueren Generation ist der Nabenflansch am Hinterrad auf Rotorseite ausgefräst. Das spart wohl etwas Gewicht, lässt sich aber auch etwas schwerer putzen.

Innere Werte

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Die alte Nabe

Bestellt man die Laufräder über Internet, hat man ja nicht viel mehr Möglichkeiten, die Qualität der Laufräder zu bewerten. Man hofft auf eine ehrliche Gewichtsangabe, kennt den Preis und entscheidet, ob die Laufräder optisch gefallen oder nicht.
In der Realität wird man von den Zondas nicht enttäuscht. Die Naben drehen sich um Konuslager, welche bei mir noch nie Probleme gemacht haben und auch nach vielen Schlechtwetterkilometern weich laufen. Der Felgenstoss ist sauber verarbeitet, die Laufräder waren beide makellos und super zentriert. Die Bremsflanken sind beim neuen Laufradsatz sehr glatt und die Bremsleistung erstmal nicht berauschend. Das bessert sich, wenn die Oberfläche durch die Bremsvorgänge etwas angeraut ist. Hier lohnt es sich sicher, diesen Prozess mit etwas feinem Schmirgelpapier zu beschleunigen.
Das Fahrverhalten ist unauffällig und gut. Die Zondas wirken sehr agil.

Wartung der Campagnolo Zonda

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Die neue Nabe mit den Ausfräsungen

Nun kommen wir zum richtig erfreulichen Aspekt der Campagnolo Zonda Laufräder. Ich nutze sie als Alltags- und Trainingslaufräder. Alltag bedeutet Arbeitsweg bei jedem Wetter. Die Laufräder haben also schon viel Regen, viele schmutzige und auch salzige Strassen hinter sich. Und ich hatte damit noch nie Probleme, musste keine Wartungsarbeiten vornehmen, noch nicht einmal das Lagerspiel nachstellen.
Wäre das notwendig, so ist es mit dem bewährten System von Campagnolo ein Kinderspiel. Inbusschraube etwas lösen, Kappe andrehen bis das Spiel weg ist, Inbus wieder lösen. Ein Kinderspiel. Trotz der Optik trauere ich also den alten, schöneren Campagnolo Naben nicht nach, wo man mit 2 flachen 15er Maulschlüsseln mühsam kontern musste.

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Lagerspiel einstellen – ein Kinderspiel

Der ältere Laufradsatz ist an Barbaras Rad im Einsatz. Und wird nicht geschont, da sind auch einige Schotterkilometer dabei. Nach all den Jahren musste keiner der beiden Laufräder nachzentriert werden. Die Campagnolo Zonda Laufräder sind unglaublich robust.

Fazit

Die Zondas sind für mich die perfekten Alltags- und Traininglaufräder. Optisch wie auch im Dauereinsatz sind sie erfreulich unauffällig. Und auch für eine ausgedehnte Alpentour machen sie sich gut, mit dem Gewicht von knappen 1’600 Gramm brauchen sie sich auch vor deutlich teureren Konkurrenten nicht zu verstecken. Ich bin neben den Zondas auch Campagnolo Shamals gefahren. Diese musste ich nach über 50’000 gefahrenen Kilometern schweren Herzens entsorgen, weil die Bremsflanken runtergebremst waren. Die Campagnolo Zonda Laufräder sind etwas schwerer, fühlen sich aber sonst recht ähnlich an. Vergleiche ich sie mit den Sciroccos (ebenfalls an einem Alltagsrennrad im Einsatz), so lohnt sich die preisliche Einsparung nicht. Die Sciroccos fühlen sich deutlich träger an und sind mit billigeren, aber ebenfalls äusserst wartungsarmen Industrielagern ausgestattet. Insofern bieten die Zondas das beste Preis-Leistungsverhältnis.

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Felgenhöhe am Hinterrad

Daher kann ich als abschliessendes Fazit die Zondas vollumfänglich zum Kauf empfehlen. Wer ein gutes Alltags- und Trainingslaufrad sucht und sich nicht an der G3 Optik stört, kann bedenkenlos zuschlagen. Die Campagnolo Zonda Laufräder reissen ja auch kein allzu grosses Loch ins Portemonnaie. Daher sind die Zondas auch ein sinnvolles Tuningteil für ein Einsteiger Rennrad, welches mit billigsten Laufrädern ausgestattet ist. Den Unterschied wird man sicher bemerken und so auf den Geschmack des Laufrad Tunings kommen. Kauft man später etwas noch Hochwertigeres, kann man die Campagnolo Zonda noch lange für die Trainingsrunden brauchen.

Das einzige was mir richtig fehlt, ist der für Campagnolo typisch Sound des Freilaufs. Mit dem neuen Sperrklinkenträger – auch hier durchaus eine technisch gute Entwicklung – ist dieser wohl leider verloren gegangen. Erst nach dem dauerverregneten Juni 2016 entwickelten meine neuen Campagnolo Zonda einen ansatzweise akzeptablen Sound, nachdem der Regen wohl genug Fett aus den Sperrklinken rausgewaschen hat. Also wohl ein Hinweis, dass ich mal einen Workshop zur Zerlegung und Wartung eines Freilaufs schreiben könnte …

7 Kommentare

  1. Andreas Schmidt

    Tja, lieber Lukas, dass die Zonda und die technisch bis auf geringe Differerenzen im Einspeichmuster baugleichen Fulcrum R3 in der Summe ihrer Eigenschaften brilliante Laufradsätze sind, gilt mittlerweile als Binsenweisheit. Dennoch muss ich hier auf einen Fehler hinweisen. Die Zonda laufen auf Konuslagern, Industrielager (Rillenkugellager) sind den preisgünstigeren Khamsin/Vento/Scirocco und den Verwandten von Fulcrum R7/R5 und verschiedenen Quattro Varianten vorbehalten.
    Der Preis-/Leistungs-Vergleich zu anderen Campa Laufrädern gestaltet sich insofern etwas schwierig, da die Zonda/R3 zu Kampfpreisen auf dem Endverbrauchermarkt landen und die günstigeren LRS zu annähernd Listenpreisen gehandelt werden. Da erscheint dem Endkunden der Mehrpreis der Zonda gegenüber den günstigeren Rädern als zu gering, um auf die technischen Vorzüge zu verzichten.
    Dennoch möchte ich hier mal eine Lanze brechen, für die Rillenkugellagermodelle. Nach anfänglich (vor ca. 10 Jahren) auffälliger Qualitätsstreuung der Lager sind diese Räder mittlerweile tadellos und ebenso robust, wie die Zonda/R3. Das Mehrgewicht eines aktuellen Vento LRS ist gegenüber den Zonda nach technischen Daten auf 110 g geschrumpft. Dabei sind die Felgen der Vento geringfügig breiter als die der Zonda und am HR für einen günstigeren Speichenwinkel der rechten Speichen am Nippelsitz asymmetrisch, und für eine eventuell anstehende Lagerreparatur bedarf es bei diesen Rädern keines Campa-Händlers, ein gut sortierter Eisenwarenladen hat die Lager vorrätig. Den “schweren Jungs” unter uns würde ich z.Zt. im Zweifel daher eher zu einem Satz “Vento” raten.

    Gruß
    Andreas

    Antworten
    1. Lukas Autor

      Hallo Andreas
      ich hatte es befürchtet 🙂
      Dass ich den Blog erst noch dir zur Kontrolle hätte schicken müssen. Aber so ein Kommentar ist ja auch ein guter Weg der Korrektur. Ich werde das natürlich gerade anpassen.
      Zu deinem Hinweis, was die Preise angeht: als Endkunde kann es uns ja eigentlich egal sein, ob die Zondas zu Kampfpreisen angeboten werden und der Rest zu Listenpreisen. Als Kunde bleibt das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis. Aber natürlich: danke für die Erklärung.
      Zum Thema billigere Varianten: 110g sind natürlich am Laufrad schon eine spürbare Differenz, ich finde jedenfalls, dass ich einen Unterschied zwischen den Sciroccos und den Zondas bemerke. Was ich aber definitiv bemerke ist, dass die Sciroccos einen grösseren Umfang haben. Auf diese Felgen bringst du echt einen Reifen nicht ohne Reifenheber drauf. Völlig unverständlich. Übrigens der Grund, weshalb ich an die Räder gekommen: ein Kollege hat beim Aufziehen der Reifen so viele Schläuche geschlissen und sich blutige Finger geholt, dass er mir die Dingers entnervt abgetreten hat 😉

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      1. Andreas Schmidt

        “Was ich aber definitiv bemerke ist, dass die Sciroccos einen grösseren Umfang haben. Auf diese Felgen bringst du echt einen Reifen nicht ohne Reifenheber drauf. ”

        Das muss ein ein seltener Fall von Ausnutzung der Toleranzgrenzen nach oben sein. Sämtliche Scirocco/Vento/Khamsin/R5/R7 in meinem eigenen Furhrpark und Werkstattkundenkreis bereife ich ohne Zuhilfenahme von Werkzeug allein mit den Eisenhänden. 😉

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        1. Das Problem bei einigen Campa Laufrädern – in diesem Fall Shamal dual-fit – mit dem großen “zu großen” Umfang, kann ich in einer gemeinsamen (nicht war Lukas 🙂 Schlauchwechselaktion bestätigen. Zwar habe ich – toi toi toi – selten einen Platten, aber wenn mit den Shamals, dann dauert es. Schon im normale Zustand zu Hause ist der Reifen ohne Schlauchzerquetschen auch mit Reifenheber kaum übers Felgenhorn zu bekommen – geschweige denn mit klammen Fingern im – in dem Fall regnerischen – ligurischen Hinterland. Das kosten dann im Schnitt 2 neue Schläuche….

          Ach, als Benchmark: normalerweise dauert das auch bei mir keine 5min…

          Ansonsten sind, und auch da Pflichte ich Lukas bei, die Laufräder echt toll. Die Zeit ohne Platten möchte ich mit den Shamals nicht missen. Ich würde sie jederzeit wieder kaufen. Die Zondas empfehle ich immer als Alternative, nur dass mir die Optik am Shamal mit den etwas dickeren und breiten Speichen deutlich besser gefällt. Das G3 finde ich persönlich nur an den Shamals wirklich gut.

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    2. Lukas Autor

      Anpassungen:
      Bei Zondas: Industrielager => Konuslager
      Bei Sciroccos: “Die Sciroccos fühlen sich deutlich träger an und sind mit billigeren, aber ebenfalls äusserst wartungsarmen Industrielagern ausgestattet”

      Bitte um Korrektur, falls du Fehler siehst.

      Danke

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