Arlberg Giro 2017   St. Anton am Arlberg training rennen reviere Radrennen Österreich Alpen
Arlberg Giro 2017   St. Anton am Arlberg training rennen reviere Radrennen Österreich Alpen

St. Anton am Arlberg kannte ich bisher nur vom Wintersport. Ebenso das Montafon und das Paznaun mit seinem bekannten Skiort Ischgl. Dieser Makel sollte jedoch überraschend ausgemerzt werden, als eine E-Mail mit einer Einladung zur Pressereise nach St. Anton und zum Arlberg Giro am 30. Juli 2017 in den virtuellen Briefkasten flatterte.

Arlberg Giro 2017   St. Anton am Arlberg training rennen reviere Radrennen Österreich AlpenDie Entscheidung zur Zusage war schnell getroffen, da das Wochenende noch frei war und die Anreise vom Bodensee aus recht überschaubar ist.

Da ich den Arlberg Giro bisher gar nicht kannte, war ich erfreut, dass er genau die Strecke nahm, welche ich sowieso einmal von Bludenz aus abfahren wollte. Auch die moderaten Streckendaten mit 150 Kilometern und 2500 Höhenmetern kamen mir gelegen, da ich in diesem Jahr kaum lange Anstiege gefahren bin.

So fuhr ich also am Samstag mit viel Vorfreude und auch Neugier auf das Rahmenprogramm nach St. Anton am Arlberg.

Das Rahmen- und Vorprogramm zum Arlberg Giro 2017

Treffpunkt war um 11 Uhr in der Lobby vom Hotel Schwarzer Adler, direkt in der Altstadt von St. Anton gelegen.

Arlberg Giro 2017   St. Anton am Arlberg training rennen reviere Radrennen Österreich AlpenDa ich zu früh war holte ich bereits meine Startunterlagen und das dazugehörige Trikot ab und erkundete einen Teil des Ortes, den ich bisher nur einmal bei einer Talabfahrt mit den Skiern besucht hatte. Weiss sieht  alles völlig anders aus, dieses bemerkte ich hier nicht zum letzten Mal.

Der Ort präsentierte sich diesmal gar nicht als Skiort sondern war voll und ganz auf den Radsport ausgerichtet. Die Banden für das Kriterium Rennen am Abend wurden aufgebaut, Zielbögen standen zwischen den Häusern, überall Rennradfahrer. Rennatmosphäre lag in der Luft.

Arlberg Giro 2017   St. Anton am Arlberg training rennen reviere Radrennen Österreich AlpenUm 11 trafen sich dann die Presservertreter und die Begleiterinnen. Geboten war eine kleine Wanderung im hübschen Verwalltal mit Jause und im Anschluss eine Fahrt hoch hinauf auf die Valluga. Auf 2’809 Meter, bot sich uns bei tollem Wetter eine traumhafte Aussicht auf 5 Länder (Lichtenstein, Italien, Schweiz, Deutschland, Österreich) mit ihren eindrücklichen Bergen. 360 Grad Traum Panorama.

Um 17 Uhr fand dann das Briefing für die Arlberg Giro Teilnehmer statt. In der gut besuchten Halle wurde per Video die Strecke vorgestellt, Gefahrenstellen benannt und an die Einhaltung der StVO appelliert.

Arlberg Giro 2017   St. Anton am Arlberg training rennen reviere Radrennen Österreich AlpenDanach standen zwei international besetzte Rennrad Kriterium Rennen an.

Zunächst ein kleineres Frauen Starterfeld und im Anschluss das Männerrennen mit gut 25 Fahrern. Es war schon beeindruckend, wie von den Fahrerinnen und Fahrern auch noch nach gut 25 Runden noch am Limit gefahren und gesprintet wurde. Man konnte das Laktat in den Beinen gedanklich riechen.

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Ein gutes Abendessen rundete diesen schönen Tag ab, welcher viele spannende Gespräche mit Journalisten, Fotografen, Tourismusbeauftragten und anderen Bloggern beschert hatte. Nun war es aber Zeit ins Bett zu gehen.

Da dieses Jahr im Sommer noch einmal wegen Renovationsarbeiten der Arlbergtunnel gesperrt ist und jeglicher Verkehr daher über den Arlberg muss, wurde der Start bereits auf 6 Uhr angesetzt.

Der Wecker stand für mich daher auf 4:55 Uhr um stressfrei zum Start zu kommen.

Der Arlberg Giro – 150 KM, 2500 Hm

Knapp 1’500 Starter versammelten sich am frühen Morgen in den Strassen der Altstadt von St. Anton am Arlberg. Trotz der frühen Uhrzeit war es schon angenehm warm und ich war mit meiner Wahl von Kurz/Kurz mit Windstopperunterhemd zufrieden.

Der Start war auf 4 Startblöcke verteilt worden, welche im Abstand von 3 Minuten auf die Reise geschickt wurden. Die am Arlberg Giro teilnehmenden Pressevertreter waren alle in Block 3 angemeldet worden. Andere waren für Fotos und ihre Berichte wohl schon auf dem Weg an die Strecke oder arbeiteten vorne im Startbereich.

Für mich war Block 3 passend so, Block 2 wäre auch OK gewesen, in Block 1 hätte ich wohl nichts zu suchen. Da gehören die richtig schnellen Damen und Herren hin, welche sicher eine Zeit deutlich unter 5 Stunden für die 150 Kilometer anpeilen.

Einige von uns, welche einen deutlich schnelleren Eindruck machten als ich, wären wohl tatsächlich lieber in einem Block weiter vorne gestartet, nahmen es jedoch alles schön gelassen und sportlich.

Der Start selber verlief dann erstaunlich ruhig ohne Gedränge. Warum auch. Nach dem Start ist es noch etwa ein relativ flacher Kilometer, bevor danach direkt der teils steile Anstieg hinauf zum Arlbergpass ansteht. Da extra für den Arlberg Giro zwischen 6 und 7 Uhr der gesamte Verkehr auf der Passstrasse gesperrt wurde, war die Auffahrt ein Genuss. Keine Auto, nur Radfahrer und durch die Steigung, welche zweitweise um die 13% liegt, zog sich das Feld bereits hier in die Länge.

Die Wetteraussichten waren gut, dennoch hatte ich meinen Grundsatz, in den Bergen hat man eine Regenjacke dabei, beachtet. Noch vor dem Pass konnte ich sie nutzen.

Kurz vor dem oberen Tunnel fing es an zu Regnen, kurzzeitig auch recht stark. Schade eigentlich. Der komplette obere Teil der Abfahrt war dadurch nass. Da ich bei Nässe eher der ängstliche Typ bin, ging ich diese daher defensiv an und liess es geschehen, dass mich einige recht zügig überholten. Gerne wäre ich die schönen Serpentinen hinunter nach Stuben im Trockenen gefahren… man kann nicht alles haben.

Im unteren Teil der Abfahrt war es dann Zeit, eine geeignete Gruppe zu finden. Der hiesige Wind liess schon erahnen, dass im Montafon Gegenwind herrschen würde. Bis auf eine Unaufmerksamkeit, wo die drei vor mir fahrenden Fahrer die Hauptgruppe verloren und ich zu spät reagierte, lief das ganz gut. Mit einem Mitstreiter in guter Zusammenarbeit gelang es mir den Anschluss wieder herzustellen. Dennoch waren das unnötige Körner… Lehrgeld.

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An der ersten “Labestation” hielt ich an. Ich hatte mir vorgenommen ohne Stress zu Essen und zu Trinken und die Zeit sekundär dahin fliessen zu lassen. Insgesamt gelang mir das relativ gut den Ehrgeiz weitestgehend auszuschalten.

Zugegeben. Bis zur unteren Mautstation der Silvretta Hochalpenstrasse könnte ich kaum etwas von der Landschaft schreiben. Eigentlich ein Frevel. Aber Konzentration in der Abfahrt bei zum Teil deutlich über 90 Km/h, dann zum Teil etwas hektisches Gruppe fahren im Montafon mit Positionsgerangeln. Da ist die Aufmerksamkeit halt wo anders. Wenn man dann plötzlich auf schnurgerader Strecke einen Mitfahrer rechts im abfallenden Wiesenhang liegen sieht, weiss man warum.

Im Aufstieg zur Bielerhöhe änderte sich dies. Das Tempo wurde natürlich langsamer und es blieb Zeit die traumhafte Berglandschaft zu geniessen. Je höher ich kam um so überwältigender wurde sie. Im oberen Teil nahm ich mir die Zeit anzuhalten und Fotos zu machen. Ich hatte mir selber das relativ gemütliche Ziel von 6 Stunden inklusive Pausen gesetzt und es war hier schon abzusehen, dass diese Zeit auch mit ausgedehnten Pausen locker einzuhalten sein würde.

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So schön der Anstieg landschaftlich ist, so sehr hatte ich das Profil unterschätzt. Auf salite.ch hatte ich mir das Profil angeschaut und befunden, dass für die gut 6 sehr steilen Kilometer mit einem Schnitt von 9,3% mein Mittelgebirgsrad (36/28) reichen müsste.

Dort stand jedoch nicht, dass fast alle Serpentinen flach sind und die meisten Geraden eher 11% oder 12% haben. Zusammen mit einer begrenzten Wattleistung war meine Trittfrequenz daher ungesund tief. Ich schaute neidisch auf die vielen Mitstreiter mit ihren 34/32 Übersetzungen oder gar 3-fach. Nun ja. Oben angekommen bin ich, wenn auch gut 10 Minuten langsamer als es von mir eingeplant war. Und das lag nicht an den Fotostopps.

Oben genoss ich neben der Verpflegung dann den tollen Blick über den Silvretta Stausee. Immer wieder schön. Bisher war ich stets mit dem Auto zum Wandern hier.

Wie schon auf anderen Veranstaltungen wunderte ich mich auch hier wieder, warum viele Fahrer unbedingt mit ihrem Rad an die Verpflegungsstation müssen. Es ist eh kaum Platz und ein Dutzend Räder dazu machen das Essen und Trinken nicht einfacher.

Ist es Angst, dass jemand das Abgestellte Rad klaut? Angst, zu viel Zeit zu verlieren? Letzteres könnte ich in den Spitzengruppen ja noch verstehen. In meinem Umfeld ging es jedoch eher um die Frage ob man einen Platz knapp unter oder knapp über der 500 ergattern kann… Nun ja. Vielleicht kann mir jemand die wirklichen Gründe ja unten im Kommentarbereich erklären.

Arlberg Giro 2017   St. Anton am Arlberg training rennen reviere Radrennen Österreich AlpenIn der Abfahrt holte mich dann plötzlich meine unpassende Übersetzung oder schlechte Verpflegung oder wahrscheinlich beides zusammen in Form von Oberschenkelkrämpfen ein. Sowas hatte ich noch nie. Wenn schon, dann die Waden… Oberschenkel war neu. Egal… die eh recht kleine Gruppe ziehen lassen, ein wenig lockern und mit der nächsten Gruppe weiter. Lediglich zwei kurze Sprints aus den Kreisverkehren bei Ischgl waren damit noch blöd und schmerzhaft. Bis zum Anstieg hinauf , zurück nach St. Anton war bereits alles wieder locker und im Lot.

Dieses Jahr hatten die Veranstalter statt des kompletten Befahrens der B197 zwei Ortsdurchfahrten (Flirsch, Schnann) eingebaut. Aus meiner Sicht eine gute Idee, ein wenig Abwechslung von der zum Glück wenig befahrenen Hauptstrasse und hübsche Dörfer.

Erst bei der letzten Ausfahrt vor dem gesperrten Arlbergtunnel wurde es dann schlagartig lässtig mit dem Verkehr. Von hier musste halt alles hinauf zum Pass. Ungeduldige Autofahrer und müde Radfahrer ergeben eine explosive Mischung. Zum Glück ja nur für die wenigen, letzten Kilometer. Und zum Glück auch nur noch in diesem Jahr. Bereits 2018 ist die Arlberg Röhre wieder offen und der Arlberg Giro 2018 wird sich die Strasse mit deutlich weniger Autos teilen müssen. Hier liess ich es daher langsam “austrudeln” um nicht noch mit genervten Autofahrern zu kollidieren und kam gut in meiner gesetzten Zeit, nach 5:37 Stunden, im Ziel in St. Anton am Arlberg an.

Aus meiner Sicht ist es eine sehr schöne und lohnenswerte Veranstaltung. Gut organisiert, Verpflegung stimmt und die Strecke orientiert sich nicht an dem Höher und Weiter Trend, welcher bei einigen Radveranstaltungen im Vordergrund steht.

Gerade für Rennradfahrerinnen und -fahrer, die nicht permanent in den Bergen trainieren können, ist es eine machbare Runde, bei der man jedoch auf einen sehr anspruchsvollen Anstieg stösst. Ist dieser einmal überwunden, hat man die Hauptschwierigkeiten aber definitiv hinter sich und kann den Rest einfach nur geniessen.

Epilog

Die ungeplanten Erlebnisse gehören ja oft zu den schönsten.

Es war wirklich toll, eine Region, die ich bisher nur im winterlichen Weiss kannte, einmal im Sommer besuchen zu können. Es ist quasi eine neue, andere Welt.

Dazu noch eine Radrunde durch eine tolle Landschaft… ein rundherum gelungenes Wochenende. Danke für die Einladung dazu!

Ich kann mir gut vorstellen nächstes Jahr, beim Arlberg Giro 2018, wieder dabei zu sein. Einmal, weil es Spass gemacht hat. Und, da ich nicht ganz zufrieden mit meiner Performance war. Sowohl an der Silvretta Hochalpenstrasse als auch insgesamt… da geht noch was.

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